Der Klimawandel – Ein philosophisches Problem?

Was der Klimawandel ist, ist hier nicht unser Thema. Unsere Beschäftigung ist hier die Art und Weise, wie wir den Klimawandel betrachten. Unsere Frage bezüglich des klimatischen Wandel bezieht sich nicht auf dem Was, nicht auf den Inhalt, sondern auf das Wie, auf die Form. In diesem Beitrag versuchen wir das Verhältnis der Menschen zum Klimawandel zu beleuchten und nicht Ratschläge für eine Lösung des Problems zu geben. Unser Ziel ist also bescheiden: Der Versuch das Klimawandel-Problem (philosophisch) zu verstehen.

Der Klimawandel hat eine menschliche und eine nicht-menschliche Betrachtungsweise. Einige meinen, der Klimawandel habe menschliche Ursachen, d.h. die Menschen haben einen Einfluss auf die Natur. Andere meinen, der Klimawandel geschieht ohne jeglichen menschlichen Einfluss, d.h. der Wandel sich ereignet sozusagen von alleine, wobei den Menschen keinen Einfluss auf das natürliche Geschehen nachzuweisen ist.

Die erste Betrachtung können wir als eine formale, die andere als eine nicht-formale bezeichnen. Diejenigen die menschliche Einflüsse auf das Klima beziehen, sind die Formalisten. Diese behaupten, dass sich das Subjekt der Natur gegenüber nicht passiv, sondern aktiv verhält. Die Anti-Formalisten leugnen das Subjektive in der Natur und beziehen damit einen passiven Standpunkt. Auf die Frage, ob die Natur oder die Menschen der Grund für den Klimawandel ist, geben die Formalisten und die Anti-Formalisten verschiedene Antworten: Die Anti-Formalisten antworten positiv auf die Natur und negativ auf die Menschen, während die Formalisten positiv antworten auf die Menschen und negativ auf die Natur. Für die Anti-Formalisten ist die Natur der Grund für die Klimaveränderung in der Welt. Für die Formalisten ist der Mensch der eigentliche Grund für den Klimawandel. Für die Anti-Formalisten ist die Natur für die Aktivität verantwortlich, während für die Formalisten die Aktivität sich auf die Menschen bezieht.

Die Betrachtungsweise der Formalisten ist subjektiv. Die Betrachtungsweise der Anti-Formalisten ist objektiv. Die ersten betrachten das Werden in dem Klimawandel als Grundlage, wobei die letzteren das Resultat, das Sein als Grundlage betrachten.

Uns geht es hier nicht darum zu entscheiden, wer recht hat, der Formalist oder der Anti-Formalist. Uns geht es hier um das Problem Klimawandel und wie wir (Menschen) dieses Problem betrachten. Uns geht es genauer um die Voraussetzung, um die Bedingungen dieses Problems, welches ein philosophisches ist. Wir möchten verstehen und nicht diesen oder den anderen recht geben.

Das heißt nicht, dass wir keine eigene Meinung zu diesem wichtigen Thema hätten, nur wir denken, dass unsere Meinung irrelevant zum Verstehen des Problems ist. Was wir verstehen möchten, ist das Grundproblem des Klimawandels und nicht diese oder andere Meinungen darüber. Wenn wir unsere Meinung ins Spiel bringen, verlassen wir die Philosophie und gelangen zur Politik, eine Sphäre, in der man einen besonderen Standpunkt vertritt. Kurzum: Uns geht es nicht um Praxis, sondern um Theorie. Wer recht oder unrecht hat, werden wir ausklammern, denn für unsere Untersuchung spielt dies keine Rolle.

Das Problem der Formalisten ist die Objektivität. Sie meinen, der Klimawandel wäre eine subjektive Angelegenheit „von Menschen gemacht“. Das Problem der Anti-Formalisten ist die Subjektivität. Sie meinen, der Klimawandel hätte gar keine menschlichen Ursachen, sondern wäre schlicht Natur bedingt. Der eine sagt das Werden, der andere sagt das Sein. Der Formalist sagt die Ursache ist die menschliche Aktivität, der Anti-Formalist bestreitet das und sagt, die Natur selbst wäre die Ursache für den Klimawandel.

Offensichtlich stehen die Werte des Formalisten und des Anti-Formalisten miteinander in Konflikt. Der eine kann die Meinung des anderen nicht akzeptieren, denn die Betrachtungsweise der beiden sind nicht nur verschieden, sondern entgegengesetzt.

Der Formalist bewertet das Subjekt positiv, während der Anti-Formalist das Subjekt verleugnet und stattdessen das Objekt positiv bewertet. Für den Formalist ist der Klimawandel eine Aufgabe für den Menschen. Für den Anti-Formalisten ist der Mensch einer solchen gegebenen Tatsache wie dem Klimawandel nicht gewachsen und kann dagegen nichts tun, höchstens passiv daran teil nehmen.

Wenn wir das Klimawandel-Problem philosophisch verstehen möchten, könnten wir an diesen zwei Betrachtungsweisen Stütze bezüglich der Richtung finden; dadurch kann der Klimawandel charakterisiert werden. Diese ist keine tatsächliche Bestimmung, sondern eine ideelle. Es handelt sich dabei um Formen, um „den Sinn“ des Klimawandels. Das Prinzip ist auf einen Konflikt zweierlei Werte basiert, wobei das Wissen keine Rolle spielt. Denn die Formalisten und Anti-Formalisten wissen mehr oder weniger dieselben Dinge, d.h. dass der Konflikt zwischen den beiden nichts mit der Rationalität, sondern vielmehr mit Werten zu tun hat. Kurzum: Die Entscheidung den Klimawandel als formell oder nicht-formell zu betrachten ist mit Werten verbunden. So eine Entscheidung ist im Grunde nicht rational, da Werte nicht aus Wissen und Wissen nicht aus Werten entspringen. Wenn es so wäre, nämlich dass Werte aus Wissen entspringen würden, gäbe es keinen Konflikt und eine Entscheidung für oder gegen das Formale, für oder gegen das Anti-Formale hätte man treffen können. Aber dasselbe Wissen wird von der eine als Form und von der andere als Anti-Form bewertet. Deswegen ist Formalism und Anti-Formalism irrational, denn es basiert nicht auf Wissen, sondern ist eine Willensentscheidung. Wenn wir uns die Frage stellen: Warum betrachtet einer als Formalist und der andere als Anti-Formalist den Klimawandel?, können wir antworten: Es ist nicht so, weil der eine mehr weiß als der andere, sondern der eine entscheidet sich so und der andere entscheidet sich anders. Das Wissen spielt eine untergeordnete Rolle, wenn überhaupt eine Rolle. Im Grunde genommen geht es um zwei Werte, die einander entgegengesetzt sind: Humanismus und Anti-Humanismus. Der Formalist ist Humanist, denn seine Entscheidungen basieren auf der Annahme des Menschen als höchsten Wert. Der Anti-Formalist ist Anti-Humanist, denn seine Entscheidung sieht nicht in dem Menschen das höchste Wert, sondern in der Natur oder Gott. (Es ist gleichgültig, ob für einen Anti-Formalisten die Natur, Gott, Aliens oder etwas anders als höchster Wert angesehen wird; der Punkt ist, dass es sich nicht um den Menschen, nicht um humanistische Werte handelt.)

Bevor wir abschließen, noch eine Anmerkung bezüglich den Grenzen der philosophischen Beschäftigung: Ein Philosoph gibt keine Antworten auf Fragen, sondern er versucht das Problem zu verstehen. Dass etwas ist, warum etwas ist und der Grund warum, dass was ist, ist. Die Reflexion setzt eine unreflektierte Aktivität voraus. Erst ist die Welt und nur dann kommt der Gedanke über die Welt. Philosophie ist also ein Spätzünder; er kommt immer spät. Erst wenn etwas passiert ist, kommt die philosophische Reflexion und versucht dieses Geschehen zu verstehen. Ohne Welt gibt es kein Verstehen. Die Welt ist notwendig, das Verstehen ist ein Luxus für Spätzünder.

Eine Antwort zu geben, ist keine Angelegenheit eines Philosophen. Die Beschäftigung der Philosophie beschränkt sich auf Theorie. Wenn ein Philosoph Antworten auf praktische Angelegenheiten erteilen würde (z.B. Ratschläge, „was man tun sollte“ usw.), dann wäre dieser Mensch kein Philosoph, sondern Politiker. Ein Philosoph der Ratschläge erteilt beschäftigt sich nicht mit Philosophie, sondern mit Politik, d.h. er bezieht einen Standpunkt und damit bewertet er eine Aktivität anstatt neutral zu bleiben. Nur Kein-Standpunkt ist Philosophie. Jede Bewertung ist Politik. Philosophie ist neutral. Politik ist alles andere als neutral.

Die Philosophie kann nicht helfen, das Klimawandel-Problem zu lösen, sie kann aber helfen, den Klimawandel zu verstehen. Wenn „nützlich“ so viel heißt wie eine Entscheidung zwischen Formalisten und Anti-Formalisten zu treffen, dann ist Philosophie nutzlos.

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